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PANKOW
Man fühlt sich verdammt alt, wenn eine Band, mit der man erwachsen geworden ist, plötzlich und unerwartet 30 wird. 30. Das ist gemeinhin ein Alter, wo man beginnt, bürgerlicher zu werden, ein Alter für Familiengründungen und so. Die wilden Jahre sind da definitiv vorüber.
Was um Himmels Willen bedeutet das für eine Rockband? Vor allem für eine, die sich die Revolte förmlich auf’s Cover geschrieben hatte? „Kille! Kille!“ stand da, weiß eingekratzt, sonst blieb alles schön schwarz. Nur noch der Name der Band drunter: PANKOW. Das ist ein Stadtteil in Berlin, aber es hörte sich natürlich auch nach einer Musikrichtung an, die im Ostrock bis dahin nicht so präsent gewesen war. Dann senkte sich die Nadel auf die Platte und zum Auftakt wurde ein zart-folkloristischer Bläsersatz von einer E-Gitarre förmlich zerlegt. Es rockte, klang wie Stones und Police und doch ganz eigen - Andre Herzbergs schnoddrig-kraftvoller Gesang, dazu die coole Gitarre von Jürgen Ehle. Texte mit rauer Poesie und doch mit beiden Beinen mitten im Staub von (Ost-) Berlin. Das war für mich der Sound der 80er Jahre und wurde der Soundtrack zum Abgesang auf die DDR.
„Aufruhr in den Augen“ hieß das Album vor der Wende. Noch Fragen? Man wunderte sich, dass es überhaupt erscheinen durfte. Ein Song kam dann doch auf den Index, „Langeweile“: „Das selbe Land zu lange gesehn, die selbe Sprache zu lange gehört, zu lange gewartet, zu lange gehofft, zu lange die alten Männer verehrt!“ hieß es da. Das reichte dann doch. Es wurde nicht mehr gesendet, gehört haben es trotzdem alle.
Dann die Wende und der STASI-Riss, der auch durch diese Band fuhr. Eine zeitlang getrennte Wege, nach 10 gemeinsamen Jahren, quasi in der Pubertät.
Die gewachsene Reife brachte dann auch Toleranz und Gelassenheit zurück. Man fand wieder zusammen und machte einfach das, was man ohnehin am allerbesten konnte, eine tolle neue Platte: „Am Rande vom Wahnsinn“. Bezeichnenderweise, denn da waren wohl viele in den überfordernden 90ern.
PANKOW ist nie eine Oldie-Band auf Nostalgie-Trip gewesen, das wäre dann auch zu grausam.
Gut also, dass es jetzt wieder eine neue Platte gibt, ein Geburtstagsgeschenk der Band an sich selbst. Und an die mit ihr älter gewordenen Fans.
Es ist schön, eine Band zum Freund zu haben, deren Leben ein bisschen wie das eigene ist, so durchgerüttelt, abgestoßen und doch noch lange nicht angekommen.
Wir wohnen jetzt alle in richtigen Wohnungen, die Haare sind dünner geworden und die Bäucher dicker. Aber das heißt ja nicht, dass wir uns nicht mehr bewegen können: „Ich weiß nicht was ich machen soll, der Donner grollt: Rock’n’Roll!“
Andreas Dresen
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